Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Klinik für Radiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin

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Literatur

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  11. Froeling V, Meckelburg K, Schreiter NF, et al. Outcome of uterine artery embolization versus MR-guided high-intensity focused ultrasound treatment for uterine fibroids: Long-term results. Eur J Radiol. 2013
  12. Habilitationsschrift von PD Dr. Thomas J Kröncke zum Thema: Die Uterusarterienembolisation (UAE): Ein neues Verfahren zur Behandlung des symptomatischen Uterus myomatosus. Technische Durchführung, klinische Ergebnisse und peri-interventionelle Bildgebung. 2008
  13. Habilitationsschrift von PD Dr. Christian Scheurig-Münkler zum Thema: Die Uterusarterienembolisation (UAE) in der Behandlung symptomatischer Gebärmuttermyome und der Adenomyosis uteri - Klinischer Langzeitverlauf und Einflussfaktoren auf den Therapieerfolg. 2014

Die Uterusarterienembolisation (UAE, syn. Myomembolisation) bei symptomatischen Myomen der Gebärmutter

 

Gebärmuttermyome sind die häufigsten gutartigen Tumore von Frauen im gebärfähigen Alter und lassen sich bei 50 bis 77% aller Frauen nachweisen. Es handelt sich um feste Muskelknoten, die in der eigentlichen Gebärmuttermuskulatur verdrängend wachsen und beträchtliche Ausmaße annehmen können. Beschwerden (Symptome) machen solche Myome allerdings nur bei 1/4 der Frauen, vornehmlich zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Zu den typischen Symptomen zählt eine verstärkte und verlängerte Regelblutung, die bis zur Anämie (Blutarmut) mit entsprechender Müdigkeit und Leistungsminderung führen kann, ein verstärkter Harndrang oder auch Störungen bei der Stuhlentleerung. Nicht selten ist die Gebärmutter durch die Myomknoten so stark vergrößert, dass sie den Bauch vorwölbt und damit auch von außen sichtbar auffällt.

Zufällig entdeckte Myome ohne eine entsprechende Symptomatik bedürfen keiner Behandlung. Milde Symptome lassen sich meist durch die Einnahme der Pille oder eine Hormonspirale kontrollieren. Sind die Symptome stärker und lassen sich nicht medikamentös beherrschen, wird heute noch immer am häufigsten die Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) empfohlen und durchgeführt. Die Myomembolisation stellt hier eine minimal-invasive, organerhaltende Therapiealternative dar, deren hohe Effizienz und Sicherheit in den letzten zwei Jahrzehnten in zahlreichen Studien belegt werden konnte. Dabei wurde die erste Myomembolisation in Deutschland im Jahre 2000 an der Berliner Charité durchgeführt.

 

Wie funktioniert die Myomembolisation?

 

Über einen kleinen Zugang (ca. 2 mm) in das Gefäßsystem in der rechten Leiste wird ein schmaler Katheter in die Beckengefäße vorgeführt. Durch diesen wird ein noch feinerer Katheter (ca. 1 mm Durchmesser) in die Gebärmutterarterie manövriert und die korrekte Lage unter Röntgenkontrolle und mittels Kontrastmittelgabe überprüft. Anschließend werden kleine Kunststoffpartikel mit dem Blutstrom in die stark durchbluteten Myomknoten eingeschwemmt, bis kein Blutfluss mehr erfolgt. Hierdurch werden sie von der Nährstoffversorgung getrennt und sterben ab, während die normale Gebärmuttermuskulatur keinen Schaden nimmt. Ein langfristiger Erfolg der Behandlung mit einer deutlichen Verbesserung der Symptome bzw. einer Beschwerdefreiheit konnte in 75 bis 80 % der Patientinnen beobachtet werden. Vor, während und nach dem Eingriff erhalten Sie Medikamente, die einen möglichst schonenden und schmerzarmen Eingriff gewährleisten sollen. Auf eine Vollnarkose und die damit verbundenen Risiken kann im Rahmen der Myomembolisation verzichtet werden.

 

Für welche Patientinnen ist die Myomembolisation geeignet?

 

Nahezu alle Patientinnen mit symptomatischen Gebärmuttermyomen können mit der Myomembolisation behandelt werden. Gründe, die dagegen sprechen, sind der Verdacht auf einen bösartigen Tumor, eine Schwangerschaft und eine akute Entzündung im Genitalbereich. Im Falle eines Kinderwunsches sollten ebenfalls zunächst organerhaltende operative Möglichkeiten in Erwägung gezogen werden. Hierfür arbeiten wir an der Charité eng mit der Myomsprechstunde der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe zusammen, um die betroffenen Frauen bestmöglich beraten zu können. Prinzipiell spielen Lage, Anzahl und Größe der Myome sowie die Art und Schwere der Symptome keine entscheidende Rolle für den Erfolg der Myomembolisation. Zur Vorbereitung auf die Behandlung erfolgt eine Magnetresonanztomographie (MRT), u.a. um Größe, Lage und Anzahl der Myomknoten und deren Gefäßversorgung zu erfassen und mögliche Kontraindikationen für die Embolisation auszuschließen. Zur Abklärung möglicher bösartiger Veränderungen erfolgt zusätzlich ein Abstrich am Gebärmutterhals. Ein Schwangerschaftstest und eine gynäkologische sowie eine Blutuntersuchung ergänzen die Vorbereitungen.

 

Welche Komplikationen und Nebenwirkungen können bei der Myomembolisation auftreten?

 

Häufigkeit und Schwere der beschriebenen Komplikationen nach Myomembolisation sind gering. Hierzu zählen länger anhaltende Schmerzen im Unterbauch (3-4%), die einer medikamentösen Behandlung bedürfen, ein vollständiges Ausbleiben der Regelblutung (ca. 4%), was jedoch nahezu ausschließlich bei Frauen nahe dem üblichen Menopausenalter und nicht bei jüngeren Patientinnen auftritt, ein vaginaler Ausfluss oder auch der Abgang von abgestorbenem Myomgewebe mit den ersten Regelblutungen nach der Behandlung (3-8%) sowie genitale Infektionen (2-3%). Bleibende Schäden oder Beeinträchtigungen sind nach der Myomembolisation nicht zu erwarten. Auch die verwendete Dosis an Röntgenstrahlen wird durch eine optimale Vorbereitung, ein gut geschultes Ärzteteam und die Verwendung modernster Geräte auf ein Mindestmaß reduziert und entspricht etwa der Größenordnung von 2 Computertomographien des Bauchs, einer gängigen diagnostischen Untersuchung.

 

Nachsorge

 

Für die Behandlung werden die Patientinnen ca. 3 bis 5 Tage auf unserer Station aufgenommen. Rund um den Eingriff und auch für eine Woche danach ist die adäquate Schmerztherapie von zentraler Bedeutung. Diese erfolgt am Tag der Behandlung mittels Infusion und wird am zweiten Tag auf eine Schmerztherapie in Tablettenform umgestellt, die dann bei Bedarf für eine weitere Woche fortgesetzt werden kann. Anschließend sollten keine weiteren Beschwerden oder Beeinträchtigungen vorliegen. Anders als nach einer operativen Behandlung erholen sich die Patientinnen nach der Myomembolisation sehr rasch und können zeitnah ihrem gewohnten Leben nachgehen. Der Effekt der Behandlung lässt sich erst einige Wochen nach der Therapie sicher beurteilen. Ist nach drei Monaten keine relevante Besserung der Symptome eingetreten, so muss die Ursache dafür ermittelt werden. Dies erfolgt in der Regel mittels MRT.

 

  • Kontakt:

Frau Steffi Gerlach

Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Charité, Campus Virchow-Klinikum

Augustenburger Platz 1

13353 Berlin

Tel.: 030/450-527235

Fax: 030/450-553928

minimal-invasive-ambulanz@charite.de oder mia@charite.de

 

Fallbeispiel

 

Hier sehen Sie die Bilder einer Patientin mit verstärkter Regelblutung bei Nachweis eines großen Gebärmuttermyoms. Dieses lässt sich in der Magnetresonanztomographie (MRT) vor der Embolisation gut darstellen. Abbildung a zeigt das Myom in seitlicher Ansicht (weißer Stern). Die sehr helle Struktur unterhalb der Gebärmutter mit dem Myom ist die Harnblase (schwarzer Pfeil). Diese enge Lagebeziehung verdeutlicht, warum große Gebärmuttermyome auch Beschwerden beim Wasserlassen verursachen können. Abbildung b zeigt die gleichen Strukturen, diesmal nach Kontrastmittelgabe. Hierbei kommt die gesamte Gebärmutter mitsamt dem Myom (schwarzer Stern) hell zur Darstellung. Das Myom ist also genauso kräftig durchblutet wie die übrige Gebärmutter. Während der Embolisationsbehandlung wird die Gebärmutterarterie mit einem sehr feinen Katheter sondiert und mit Hilfe von Kontrastmittel lassen sich die Gefäße des Gebärmuttermyoms darstellen (Abbildung c, schwarzer Pfeil) und anschließend verschließen. Nach erfolgreicher Embolisationsbehandlung sind die Tumorgefäße nicht mehr darstellbar (Abbildung d). Bald darauf war die Patientin vollständig beschwerdefrei und ca. 1 Jahr später zeigte sich in einer Kontroll-MRT (Abbildungen e und f), dass das Gebärmuttermyom deutlich kleiner geworden ist und nach Kontrastmittelgabe deutlich dunkler bleibt als die umgebende Gebärmuttermuskulatur. Das heißt, die Durchblutung des Tumors konnte dauerhaft unterbunden werden. (Abbildungen aus: Kröncke TJ et al. Transarterielle Embolisation bei Uterus myomatosus: klinische Erfolgsrate und kernspintomographische Ergebnisse. Rofo. 2005 Jan;177(1):89-98)