Der zentralvenöse Katheter (ZVK) ist ein dünner Kunststoffschlauch, der meist am Hals (oder auch an der Schulter oder am Arm) in das Venensystem eingeführt und mit dem zentralen Ende nahe am rechten Vorhof des Herzens platziert wird. Dort verbleibt er.

Der ZVK ermöglicht eine einfache Verabreichung von Substanzen (z. B. Zufuhr von Medikamenten) sowie eine unkomplizierte Entnahme von Blut, ohne dass für jeden einzelnen Einsatz ein Blutgefäß gesondert punktiert werden muss. (Sogenannte periphere venöse Zugänge, z. B. Flexülen® oder Braunülen®, die üblicherweise im Unterarm oder der Hand platziert werden, ermöglichen dies nur in eingeschränktem Maße.)

Begünstigt durch den hohen Blutfluss in der herznahen oberen Hohlvene können über zentralvenöse Zugänge alle Medikamente oder auch Ernährungslösungen verabreicht werden. Insbesondere Chemotherapeutika können sich durch die zentralvenöse Gabe direkt großvolumig mit Blut mischen und im Körper verteilen ohne vorher in hoher Konzentration durch eine periphere Vene zu laufen, was diese insbesondere bei längerer und wiederholter Nutzung reizen und schädigen kann.

Ein weiterer Vorteil ist, dass einige Varianten der zentralnervösen Zugänge mehrere Monate bis Jahre in der Vene belassen werden können. Grundsätzlich wird zwischen kurzfristig eingesetzten (bis zu 14 Tagen), mittelfristigen (14 Tage bis 3 Monate) und langfristigen (länger als 3 Monate) zentralvenösen Zugängen unterschieden. Erstere werden auch gerne akute zentralvenöse Katheter, letztere gerne chronische zentralvenöse Katheter genannt. Einen Überblick gibt das Schaubild in Abbildung 1.

Indikation venöser Zugang

kurzfristig
(≤ 7-14 Tage)

mittelfristig
(< 2-3 Monate)

langfristig
(> 3 Monate)

Präferenz
Arzt-
Patient →

 

venöser
Status →

peripherer Zugang

  • Kosten ↓*
  • ≤ 4 Tage

ZVK

  • Multilumen
  • Akutversorgung
  • < 14 Tage

PICC

  • Kosten ↓
  • komplikationsarm
  • spezielles PICC-Team

getunnelter ZVK
z. B. Hickman, Broviac

  • Infektion ↓
  • Multilumen
  • große Lumina
    (Apharese)

Port

  • permanent
  • komplikationsarm
  • gutes kosmetisches Ergebnis

* nach 4 Tagen PICC günstiger (Ryder MA, Surg Oncol Clin N Am 1995)

zentralvenös
(pH ≤ 4 oder pH ≥ 9 oder Osmolarität > 5 mOsmol/l)

Abbildung 1: Übersicht über zentralvenöse Zugänge (nach Gebauer et al. (4))

Die Indikationen im einzelnen:

Für die Anlage eines ZVK gibt es eine Reihe von möglichen Gründen. Die Anlage erfolgt insbesondere

  • zur Chemotherapie-Gabe und Gabe anderer, insbesondere stark venenreizender, Medikamente
  • für die künstliche Ernährung unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes (parenterale Ernährung)
  • zur Gabe von potenten kreislauf- und herzwirksamen Medikamenten, welche einer genauen Dosierung bedürfen und kurze Halbwertszeiten aufweisen (z. B. Katecholamine)
  • wenn die Anlage eines peripheren Zugangs weniger sinnvoll, erschwert oder unmöglich ist, insbesondere bei
    • langdauernden Infusionstherapien
    • ansonsten wiederholt notwendigen Punktionen peripherer Venen
    • Volumenmangel
    • Schockzuständen
    • Unterkühlungszuständen
    • ausgedehnten Verbrennungen
  • zur Messung des zentralvenösen Drucks
  • in Notfallsituationen, zum Beispiel zur Massivtransfusion.

Allgemein erfolgt die Katheterimplantation unter örtlicher Betäubung am Hals oberhalb des Schlüsselbeins, seltener auch unterhalb des Schlüsselbeins und in wenigen begründeten Ausnahmefällen auch an der Leiste. Grundsätzlich kann die Gefäßpunktion in Kenntnis der Anatomie „blind“ oder ultraschallgestützt in keimarmer Umgebung erfolgen.

Die Verlegung eines ZVK unterliegt bei uns folgenden Qualitätskriterien:

  • Die ZVK-Anlage erfolgt stets unter sterilen Bedingungen (Prinzip der maximalen sterilen Barriere) nach sorgfältiger Hautdesinfektion und Abdeckung in steriler Kleidung und Handschuhen inklusive Mundschutz und Haube.
  • Die ZVK-Anlage kann unter lokaler Betäubung oder umfangreicherer Medikation bis hin zur Vollnarkose durch einen Anästhesisten erfolgen.
  • Die Gefäßpunktion erfolgt zur Vermeidung von Komplikationen stets ultraschallgestützt (siehe Abbildung 1 sowie Video 1; detaillierte sehenswerte Video-Dokumentationen zur ultraschallgestützten Venenpunktion finden sich z. B. im New England Journal of Medicine (1, 2)).
  • Die ZVK-Anlage erfolgt stets unter Anwendung einer möglichst sicheren und schonenden Katheterplatzierungs-Technik (Seldinger Technik (3)) unter röntgenologischer Sichtkontrolle.
  • Zum Abschluss erfolgt noch auf dem Implantationstisch eine röntgenologische Kontrollaufnahme, um Komplikationen (z. B. einen Pneumothorax) nach Möglichkeit auszuschließen.

Konstruktion des ZVK:

Der Kunststoffschlauch besteht heutzutage größtenteils aus Polyurethan, seltener auch aus Silikon. Das Material ist so gewählt, dass es möglichst hautverträglich ist, gleichzeitig bei Flexibilität kaum Knickneigung zeigt, von der Oberflächenbeschaffung möglichst unattraktiv für potentielle Keimbesiedlung ist und den normalen (laminaren) Blutfluss möglichst wenig stört.

Der äußere Durchmesser des ZVK ist variabel und beträgt meist 2 bis 4 mm. Er ist insbesondere abhängig von der Anzahl der einzelnen Lumen (Kanäle), die darin separat verlaufen, und deren Durchmesser. Je nach Bedarf verwendet man ZVK mit einem bis zu fünf oder mehr Lumen: Bei der gleichzeitigen Gabe mehrerer Medikamente über einen ZVK kann man durch mehrere Lumen verhindern, dass sich die Medikamente auf der gemeinsamen Wegstrecke mischen, was möglicherweise zur Fällung (Präzipitation) gelöster Bestandteile und zur Einschränkung bzw. zum Verlust der Wirksamkeit führen und zugleich Komplikationen hervorrufen kann. Jedes Lumen kann an der körperfernen Seite separat verschlossen werden. Der Verschluss erfolgt aus Gründen der Sicherheit meist mehrfach durch verschiedene Techniken. Zum Schutz vor unbeabsichtigtem Verrutschen (Dislokation), beispielsweise im Schlaf, wird der ZVK am Patienten befestigt (per Fixationsnaht und/oder Fixationspflaster).

Abbildung 2: Die Abbildung zeigt den Zeitpunkt der ultraschallgestützten Venenpunktion rechts oberhalb des Schlüsselbeins (der Kopf des Patienten befindet sich im Bild auf der linken Seite). Auf dem Ultraschallmonitor (rechte Bildseite) erscheint die Vene (langer dünner Pfeil im Monitorbild) dunkel und lässt im Inneren einen hellen Punkt erkennen. Dieser Punkt entspricht der Nadelspitze und zeigt an, dass das Gefäß erfolgreich angesteuert wurde. Zusätzlich wird die korrekte Lage durch Anzug von etwas Blut überprüft, bevor mit der Katheteranlage fortgefahren wird.

MdB

Video 1: Darstellung der ultraschallgestützten venösen Punktion rechts oberhalb des Schlüsselbeins (der Kopf des Patienten befindet sich im Video auf der linken Seite). Der Interventionsradiologe verfolgt das Einführen der Nadel auf dem Ultraschallmonitor. Dort ist die Vene dunkel dargestellt, während die Nadelspitze als heller Punkt abgebildet ist. Sobald der helle Punkt innerhalb des Gefäßes erscheint, sieht der Radiologe, dass das Gefäß erfolgreich angesteuert wurde. Zusätzlich wird die korrekte Lage durch Anzug von etwas Blut überprüft, bevor mit der Katheteranlage fortgefahren wird (Video freundlicherweise von Dr. de Bucourt zur Verfügung gestellt).

ZVK warden in der Regel nur im stationären Bereich verwendet und vor Entlassung entfernt. Daher übernimmt unser Pflegepersonal die Pflege des Katheters. Allgemein geht es hierbei um eine Inspektion der Punktionsstelle, regelmäßiger Verbandwechsel und Desinfektion der Anschlussstücke.

Durch die Kombination aus sonographisch (Ultraschall) gesteuerter Venenpunktion und durchleuchtungsgesteuerter (Röntgen) Platzierung des ZVK können die möglichen Risiken auf ein sehr niedriges Niveau reduziert werden. Mögliche Risiken sind die Blutung und die Ausbildung eines Blutergusses, die Fehlpunktion der Halsschlagader oder der Schlüsselbeinarterie, eine Infektion oder Ausbildung eines Abszesses, die Thrombose der Vene oder des Katheters, das Eindringen von Luft in den Pleuraspalt (Pneumothorax) oder die Verletzung von Nachbarorganen.

Der ZVK zählt zu den sogenannten nicht-getunnelten zentralvenösen Kathetern. Dies bedeutet, dass zwischen Hauteintritt und dem Eintritt in die Vene nur eine kurze Gewebestrecke liegt. Da durch die kurze Wegstrecke Keime leichter entlang des Katheters in das Gefäß gelangen und zu einer systemischen Infektion führen können, wird der Einsatz nur zur kurzfristigen Therapie bis zu etwa 14 Tagen empfohlen (4).

Kontakt


Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)
Charité Campus Virchow-Klinikum (CVK)
Klinik für Radiologie
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
  • t: +49 30 450 527235 oder +49 30 450 557309

  • f: +49 30 450 553928 oder +49 30 450 557947

  • E-Mail: mia@charite.de

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Graham AS, Ozment C, Tegtmeyer K, Lai S, Braner DA. Videos in clinical medicine. Central venous catheterization. N Engl J Med. 2007 May 24;356(21):e21. PubMed PMID: 17522396.

Ortega R, Song M, Hansen CJ, Barash P. Videos in clinical medicine. Ultrasound-guided internal jugular vein cannulation. N Engl J Med. 2010 Apr 22;362(16):e57. doi: 10.1056/NEJMvcm0810156. PubMed PMID: 20410510.

Seldinger SI. Catheter replacement of the needle in percutaneous arteriography; a new technique. Acta radiol. 1953 May;39(5):368-76. PubMed PMID: 13057644.

O’Grady NP, Alexander M, Dellinger EP, Gerberding JL, Heard SO, Maki DG, Masur H, McCormick RD, Mermel LA, Pearson ML, Raad II, Randolph A, Weinstein RA. Guidelines for the prevention of intravascular catheter-related infections. Centers for Disease Control and Prevention. MMWR Recomm Rep. 2002 Aug 9;51(RR-10):1-29. PubMed PMID: 12233868.