Venöse Zugänge getunnelte Katheter

Der getunnelte Katheter (Hickman, Broviac, Demers) wird immer dann eingesetzt, wenn eine Infektion mit Keimen, soweit es irgend möglich ist, vermieden werden muss.

Folgende getunnelte Katheter werden durch die Klinik für Radiologie implantiert:

  • Hickman- und Broviac-Katheter
  • Demers- oder Vorhofkatheter

Die Vorteile des Getunnelten Katheters liegen in der längeren Nutzungsdauer. Er kann meist 3 bis 12 Monate (zum Vergleich: der ZVK ca. 14 Tage) genutzt werden. Bei fehlenden Alternativen kann oder muss die Liegedauer im Einzelfall verlängert werden – sofern der Patient den Katheter gut verträgt und die klinische Notwendigkeit hierfür gegeben ist.

Ausschlaggebend für die Nutzungsdauer ist, dass eine Keimbesiedlung so lange wie möglich hinausgezögert oder idealerweise ganz verhindert werden kann. Dies ist beispielsweise für Dialysepatienten notwendig, die mehrmals in der Woche und unter Umständen lebenslang auf eine komplikationslose und nach Möglichkeit zügige Blutwäsche angewiesen sind.

Die längerfristige Nutzung ist insbesondere wichtig bei

  • einer Chemotherapie oder einer längerfristigen Gabe anderer Medikamente (insbesondere Hickman-Katheter)
  • Gabe höherviskoser Lösungen, z. B. für die künstliche Ernährung unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes (sog. parenterale Ernährung; insbesondere Broviac-Katheter)

Konstruktion des Getunnelten Katheters:

Der Getunnelte Katheter unterscheidet sich durch zwei Besonderheiten von einem herkömmlichen ZVK:

  • Ein zwischen Haut- und Gefäßeintritt längerer Verlauf unterhalb der Haut (subkutan) dient als Keimbarriere zwischen Außenwelt und Gefäßsystem (Prinzip der Gefahrenreduktion einer systemischen, bzw. über das Blutsystem streuenden Infektion). Hieraus leitet sich der Überbegriff „getunnelter Katheter“ ab.
  • Eine Art Manschette aus Polyester-Faser (Dacron), welche im subkutanen Verlauf des Katheters auf ca. 1 cm Länge am Schaft angebracht ist, dient als zusätzliche Keimmigrationsbarriere. Die Dacron-Manschette verwächst im Verlauf etwas mit dem Unterhautfettgewebe und wirkt so zusätzlich einer unerwünschten Verschiebung (Dislokation) des Katheters entgegen. Die Polyester-Manschette kann darüber hinaus antibiotisch beschichtet sein.

Abgesehen von diesen Besonderheiten ist der Getunnelte Katheter wie andere ZVK (s. dort) konzipiert.

Allgemein erfolgt die Katheterimplantation unter örtlicher Betäubung am Hals oberhalb des Schlüsselbeins (Gefäßeintrittsstelle des Katheters nach zentral) und an der seitlichen vorderen Brustwand (Katheteraustrittsstelle aus dem Körper) – in der dazwischen liegenden Strecke verläuft der Katheter „getunnelt“ unterhalb der Haut (subkutan). Seltener befindet sich die Gefäßeintrittsstelle auch unterhalb des Schlüsselbeins und in wenigen begründeten Ausnahmefällen auch an der Leiste (die Katheteraustrittsstelle wird entsprechend angepasst).

Jedes Lumen wird an der körperfernen Seite (zur Sicherheit ggf. mehrfach) verschlossen. Zum Schutz vor unbeabsichtigtem Verrutschen (Dislokation), beispielsweise im Schlaf, wird ein getunnelter Katheter am Patienten befestigt (per Fixationsnaht und/oder Fixationspflaster). Grundsätzlich kann die Gefäßpunktion in Kenntnis der Anatomie „blind“ oder ultraschallgestützt in keimarmer Umgebung erfolgen.

Die Verlegung eines Getunnelten Katheters unterliegt bei uns folgenden Qualitätskriterien:

  • Die Anlage erfolgt stets unter sterilen Bedingungen (Prinzip der maximalen sterilen Barriere) nach sorgfältiger Hautdesinfektion und Abdeckung in steriler Kleidung und Handschuhen inklusive Mundschutz und Haube.
  • Die Anlage kann unter lokaler Betäubung oder umfangreicherer Medikation bis hin zur Vollnarkose durch einen Anästhesisten erfolgen.
  • Die Gefäßpunktion erfolgt zur Vermeidung von Komplikationen stets ultraschallgestützt (siehe Abbildung 2 sowie Video 1; detaillierte sehenswerte Video-Dokumentationen zur ultraschallgestützten Venenpunktion finden sich z. B. im New England Journal of Medicine (3, 4)).
  • Die ZVK-Anlage erfolgt stets unter Anwendung einer möglichst sicheren und schonenden Katheterplatzierungs-Technik (Seldinger-Technik (5)) unter röntgenologischer Sichtkontrolle.
  • Zum Abschluss erfolgt noch auf dem Implantationstisch eine röntgenologische Kontrollaufnahme um Komplikationen (z. B. einen Pneumothorax) nach Möglichkeit auszuschließen.
ZVK 1

Abbildung 2 – Die Abbildung zeigt den Zeitpunkt der ultraschallgestützten Venenpunktion rechts oberhalb des Schlüsselbeins (der Kopf des Patienten befindet sich im Bild auf der linken Seite). Auf dem Ultraschallmonitor (rechte Bildseite) erscheint die Vene (langer dünner Pfeil im Monitorbild) dunkel und lässt im Inneren einen hellen Punkt erkennen. Dieser Punkt entspricht der Nadelspitze und zeigt an, dass das Gefäß erfolgreich angesteuert wurde. Zusätzlich wird die korrekte Lage durch Anzug von etwas Blut überprüft, bevor mit der Katheteranlage fortgefahren wird.

MdB

Video 1: Darstellung der ultraschallgestützten venösen Punktion rechts oberhalb des Schlüsselbeins (der Kopf des Patienten befindet sich im Video auf der linken Seite). Der Interventionsradiologe verfolgt das Einführen der Nadel auf dem Ultraschallmonitor. Dort ist die Vene dunkel dargestellt, während die Nadelspitze als heller Punkt abgebildet ist. Sobald der helle Punkt innerhalb des Gefäßes erscheint, sieht der Radiologe, dass das Gefäß erfolgreich angesteuert wurde. Zusätzlich wird die korrekte Lage durch Anzug von etwas Blut überprüft bevor mit der Katheteranlage fortgefahren wird (Video freundlicherweise von Dr. de Bucourt zur Verfügung gestellt).

Durch die Kombination aus sonographisch (Ultraschall) gesteuerter Venenpunktion und durchleuchtungsgesteuerter (Röntgen) Platzierung des getunnelten Katheters können die möglichen Risiken auf ein sehr niedriges Niveau reduziert werden. Mögliche Risiken sind die Blutung und die Ausbildung eines Blutergusses, die Fehlpunktion der Halsschlagader oder der Schlüsselbeinarterie, eine Infektion oder Ausbildung eines Abszesses, die Thrombose der Vene oder des Katheters, das Eindringen von Luft in den Pleuraspalt (Pneumothorax) sowie die Verletzung von Nachbarorganen.

Kontakt


Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)
Charité Campus Virchow-Klinikum (CVK)
Klinik für Radiologie
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
  • t: +49 30 450 527235 oder +49 30 450 557309

  • f: +49 30 450 553928 oder +49 30 450 557947

  • E-Mail: mia@charite.de

  • oder nutzen Sie unser Kontaktformular

Broviac JW, Cole JJ, Scribner BH. A silicone rubber atrial catheter for prolonged parenteral alimentation. Surg Gynecol Obstet. 1973 Apr;136(4):602-6. PubMed PMID: 4632149

Hickman RO, Buckner CD, Clift RA, Sanders JE, Stewart P, Thomas ED. A modified right atrial catheter for access to the venous system in marrow transplant recipients. Surg Gynecol Obstet. 1979 Jun;148(6):871-5. PubMed PMID: 109934.

Shaldon S, Silva H, Pomeroy J, Rae AI, Rosen SM. Percutaneous femoral venous catheterization and reusable dialysers in the treatment of acute renal failure. Trans Am Soc Artif Intern Organs. 1964;10:133-5. PubMed PMID: 5878400.

Zieschang M, Erben B, Höffler D, Niemeyer R, Schielke DJ, Siebold G, Strack G. The Demers atrial catheter: experience with a single-lumen silicone catheter as short- and long-term access for hemodialysis. Clin Nephrol. 1995 Aug;44(2):113-7. PubMed PMID: 8529298.

Graham AS, Ozment C, Tegtmeyer K, Lai S, Braner DA. Videos in clinical medicine. Central venous catheterization. N Engl J Med. 2007 May 24;356(21):e21. PubMed PMID: 17522396.

Ortega R, Song M, Hansen CJ, Barash P. Videos in clinical medicine. Ultrasound-guided internal jugular vein cannulation. N Engl J Med. 2010 Apr 22;362(16):e57. doi: 10.1056/NEJMvcm0810156. PubMed PMID: 20410510.

Seldinger SI. Catheter replacement of the needle in percutaneous arteriography; a new technique. Acta radiol. 1953 May;39(5):368-76. PubMed PMID: 13057644.

O’Grady NP, Alexander M, Burns LA, Dellinger EP, Garland J, Heard SO, Lipsett PA, Masur H, Mermel LA, Pearson ML, Raad II, Randolph AG, Rupp ME, Saint S; Healthcare Infection Control Practices Advisory Committee. Guidelines for the prevention of intravascular catheter-related infections. Am J Infect Control. 2011 May;39(4 Suppl 1):S1-34. doi: 10.1016/j.ajic.2011.01.003.

O’Grady NP, Alexander M, Dellinger EP, Gerberding JL, Heard SO, Maki DG, Masur H, McCormick RD, Mermel LA, Pearson ML, Raad II, Randolph A, Weinstein RA. Guidelines for the prevention of intravascular catheter-related infections. Centers for Disease Control and Prevention. MMWR Recomm Rep. 2002 Aug 9;51(RR-10):1-29.

Gebauer B, Beck, Wagner HJ. Zentralvenöse Katheter: Diagnostik von Komplikationen und therapeutische Optionen. Radiologie up2date 2008; 8(2): 135-154 DOI: 10.1055/s-2007-995703