Die Uterusarterienembolisation (UAE)

(auch Myomembolisation)

Gebärmuttermyome sind die häufigsten gutartigen Tumore und lassen sich bei 50 bis 77% aller Frauen nachweisen – vornehmlich zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Es handelt sich um feste Muskelknoten, die in der eigentlichen Gebärmuttermuskulatur wachsen und beträchtliche Ausmaße annehmen können.

Beschwerden machen solche Myome allerdings nur bei einem Viertel der Frauen. Die typischen Symptome sind:

  • verstärkte und verlängerte Regelblutung, die bis zur Blutarmut (Anämie) mit entsprechender Müdigkeit und Leistungsminderung führen kann
  • ein verstärkter Harndrang
  • Verstopfungen
  • Schmerzen bei Geschlechtsverkehr
  • Raumfordernde Größe der Gebärmutter durch die Myomknoten, dass sich der Bauch vorwölbt und damit von außen auffällt.

Myome ohne Symptomatik bedürfen keiner Behandlung. Milde Symptome lassen sich meist durch die Einnahme der Pille oder eine Hormonspirale kontrollieren. Sind die Symptome stärker und lassen sich nicht medikamentös beherrschen, wird noch immer am häufigsten empfohlen, die Gebärmutter ganz zu entfernen (Hysterektomie).

Die Myomembolisation ist für diesen Fall eine effektive organerhaltende Therapiealternative. Die erste Myomembolisation in Deutschland wurde im Jahre 2000 an der Berliner Charité durchgeführt.

Mit dem Blutstrom werden kleine Kunststoffkügelchen in das Myom geschwemmt, sie verstopfen so die Nährstoffzufuhr – das Myom stirbt ab.

Der Eingriff soll die Patientin möglichst weitgehend von den Symptomen der Gebärmuttermyome (s. o.) befreien.

Nahezu alle Patientinnen mit symptomatischen Gebärmuttermyomen können mit der UAE behandelt werden. Wir empfehlen dieses minimal-invasive Verfahren dann, wenn das Befinden der Patientin durch das Myom zu stark belastet ist und sie eine Entfernung der Gebärmutter – aus welchem Grund auch immer – nicht wünscht. Im Falle eines Kinderwunsches sollten zunächst organerhaltende operative Möglichkeiten in Erwägung gezogen werden, da die Behandlung zum einen  mit einer Röntgenstrahlenexposition auf die Eierstöcke und zum anderen mit dem geringen Risiko einer vorzeitigen Menopause durch Fehlembolisation in die Eierstöcke verbunden ist. Um unsere Patientinnen in dieser Frage bestmöglich beraten zu können, arbeiten wir an der Charité eng mit der Myomsprechstunde der Klinik für Gynäkologie am Campus Virchow-Klinikum zusammen.

Gründe, die generell gegen eine UAE sprechen, sind der Verdacht auf einen bösartigen Tumor, eine Schwangerschaft oder eine akute Entzündung im Genitalbereich.

Prinzipiell spielen Lage, Anzahl und Größe der Myome sowie die Art und Schwere der Symptome keine so bedeutende Rolle mehr, wie dies in der Vergangenheit in Bezug auf Durchführbarkeit und Erfolg der Myomembolisation gesehen wurde.

Für die Behandlung werden die Patientinnen ca. 3 bis 5 Tage auf unserer Station aufgenommen.

Vorher

Zur Vorbereitung auf die Behandlung erfolgt eine Magnetresonanztomographie (MRT), u. a. um Größe, Lage und Anzahl der Myomknoten und deren Gefäßversorgung zu erfassen und mögliche Kontraindikationen für die Embolisation auszuschließen.

Vorab sollte uns ein aktueller PAP-Abstrich-Befund vorliegen.

Ein Schwangerschaftstest und andere Blutuntersuchungen ergänzen die Vorbereitungen. Gynäkologische Vorab-Untersuchungen können z. B. in der Myom-Sprechstunde der Klinik für Gynäkologie oder von Ihrem niedergelassenen Gynäkologen/Ihrer niedergelassenen Gynäkologin erbracht werden.

Während

Am Tag der Behandlung erhalten Sie sowohl durch Tabletten als auch mittels Infusion Medikamente, die einen möglichst schonenden und schmerzarmen Eingriff gewährleisten. Auf eine Vollnarkose und die damit verbundenen Risiken kann im Rahmen der Myomembolisation verzichtet werden.

Über einen kleinen Zugang (ca. 2 mm) in der rechten Leiste wird ein schmaler Katheter in die Beckengefäße vorgeführt. Durch diesen wird ein noch feinerer Katheter (ca. 1 mm Durchmesser) in die Gebärmutterarterie manövriert. Die korrekte Lage wird unter Röntgenkontrolle und mittels Kontrastmittelgabe überprüft. Dabei wird streng auf eine möglichst niedrige Exposition an Röntgenstrahlung geachtet. Anschließend werden kleine Kunststoffpartikel mit dem Blutstrom in die Myomknoten eingeschwemmt, bis kein Blutfluss mehr erfolgt.

Nachher

Rund um den Eingriff und auch für eine Woche danach ist die adäquate Schmerztherapie von zentraler Bedeutung. Hierzu sind nur während und unmittelbar nach dem Eingriff intravenös verabreichte Medikamente erforderlich. Ab dem Folgetag nach dem Eingriff stellen wir die Schmerztherapie auf eine alleinigeTablettengabe um. Sie kann dann bei Bedarf für eine weitere Woche fortgesetzt werden.

Anschließend sollten keine weiteren Beschwerden oder Beeinträchtigungen vorliegen.

Anders als nach einer operativen Behandlung erholen sich die Patientinnen nach der Myomembolisation sehr rasch und können zeitnah ihrem gewohnten Leben nachgehen.

Das Ergebnis der Behandlung lässt sich erst einige Wochen nach der Therapie sicher beurteilen. Ist nach drei Monaten keine relevante Besserung der Symptome eingetreten, so muss die Ursache dafür ermittelt werden. Dies erfolgt in der Regel mittels MRT.

Ein langfristiger Erfolg der Behandlung mit einer deutlichen Verbesserung der Symptome bzw. einer Beschwerdefreiheit konnte bei ca. 80 % der Patientinnen beobachtet werden. Da die Gebärmutter aber verbleibt und damit die Veranlagung zur Ausbildung von Myomen kann es auch nach Jahren erforderlich sein, die Therapie zu wiederholen – dies ist in der Regel problemlos möglich.

Häufigkeit und Schwere von Komplikationen nach Myomembolisation sind gering. Hierzu zählen länger anhaltende Schmerzen im Unterbauch (3 bis 4%), die einer medikamentösen Behandlung bedürfen. Mitunter bleibt auch bei Frauen, deren Alter nahe an dem üblichen Menopausenalter liegt, die Regelblutung aus (ca. 4%). Bei einem kleinen Teil der Patientinnen kommt es zu vaginalem Ausfluss oder auch zum Abgang von abgestorbenem Myomgewebe mit den ersten Regelblutungen nach der Behandlung (3 bis 8%) sowie zu genitalen Infektionen (2 bis 3%).

Bleibende Schäden oder Beeinträchtigungen sind nach der Myomembolisation nicht zu erwarten.

Hier sehen Sie die Bilder einer Patientin mit verstärkter Regelblutung bei Nachweis eines großen Gebärmuttermyoms. Dieses lässt sich in der Magnetresonanztomographie (MRT) vor der Embolisation gut darstellen.

Abbildung a zeigt das Myom in seitlicher Ansicht (weißer Stern). Die sehr helle Struktur unterhalb der Gebärmutter mit dem Myom ist die Harnblase (schwarzer Pfeil). Diese enge Lagebeziehung verdeutlicht, warum große Gebärmuttermyome auch Beschwerden beim Wasserlassen verursachen können.

Abbildung b zeigt die gleichen Strukturen, diesmal nach Kontrastmittelgabe. Hierbei kommt die gesamte Gebärmutter mitsamt dem Myom (schwarzer Stern) hell zur Darstellung. Das Myom ist also genauso kräftig durchblutet wie die übrige Gebärmutter.

Während der Embolisationsbehandlung wird die Gebärmutterarterie mit einem sehr feinen Katheter sondiert und mit Hilfe des Kontrastmittels lassen sich die Gefäße des Gebärmuttermyoms darstellen (Abbildung c, schwarzer Pfeil) und anschließend verschließen.

Nach erfolgreicher Embolisationsbehandlung sind die Tumorgefäße nicht mehr darstellbar (Abbildung d).

Bald darauf war die Patientin vollständig beschwerdefrei und ca. 1 Jahr später zeigte sich in einer Kontroll-MRT (Abbildungen e und f), dass das Gebärmuttermyom deutlich kleiner geworden ist und nach Kontrastmittelgabe deutlich dunkler bleibt als die umgebende Gebärmuttermuskulatur. Das heißt, die Durchblutung des Tumors konnte dauerhaft unterbunden werden. (Abbildungen aus: Kröncke TJ et al. Transarterielle Embolisation bei Uterus myomatosus: klinische Erfolgsrate und kernspintomographische Ergebnisse. Rofo. 2005 Jan;177(1):89-98)

Kontakt


Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)
Charité Campus Virchow-Klinikum (CVK)
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Habilitationsschrift von PD Dr. Thomas J Kröncke zum Thema: Die Uterusarterienembolisation (UAE): Ein neues Verfahren zur Behandlung des symptomatischen Uterus myomatosus. Technische Durchführung, klinische Ergebnisse und peri-interventionelle Bildgebung. 2008

Habilitationsschrift von PD Dr. Christian Scheurig-Münkler zum Thema: Die Uterusarterienembolisation (UAE) in der Behandlung symptomatischer Gebärmuttermyome und der Adenomyosis uteri – Klinischer Langzeitverlauf und Einflussfaktoren auf den Therapieerfolg. 2014