Prostata Fokale Therapie

Fokale Therapie mittels Irreversibler Elektroporation (IRE)

Fokale Eingriffe werden als Therapieoption immer bedeutsamer. Sie ermöglichen, nur den Teil des Organs zu behandeln, der vom Tumor befallen ist. Die wichtigen Umgebungsstrukturen (z. B. Nerven) können so geschont werden.

Gerade bei einem kleinen Organ wie der Prostata ist das Risiko vergleichsweise hoch, dass wichtige anatomische Umgebungsstrukturen, die z.B. für die Erektionsfähigkeit des Penis (Potenz) und die Kontrolle der Blasenentleerung (Harnkontinenz) verantwortlich sind, geschädigt werden.

Bei der Irreversiblen Elektroporation (IRE) werden durch starke, örtlich begrenzte elektrische Felder winzige Öffnungen (Poren) in die Membran der Tumorzelle geschlagen. Die Zelle wird so zerstört.

Das Ziel der IRE ist, das Prostatakarzinom lokal zu zerstören – mit Erhalt der restlichen Drüse und weitgehender Schonung der umliegenden Risikostrukturen wie Gefäße und Nerven.

Das Prostatakarzinom kann äußerst langsam wachsen. Deshalb reichen die Therapieoptionen von „aktiver Überwachung“ bei niedrigem Risiko bis zur „radikalen“ chirurgischen Entfernung der gesamten Drüse bei hohem Risiko. Zur fokalen Therapie wird geraten, wenn der Status des Karzinoms dazwischen liegt.

Die Kriterien sind,

  • dass Patienten älter als 18 Jahre alt sind
  • dass das Prostatakarzinom histologisch gesichert, nicht metastasiert ist und keine klinisch signifikanten Tumoranteile außerhalb des geplanten Behandlungsgebiets vorhanden sind
  • dass der PSA-Wert nicht größer als 15 ng/ml (9) und der Gleason-Score (Differenzierungsgrad der tumorösen Zellen) nicht größer als 3+4 (10) ist
  • dass die Lebenserwartung des Patienten mindestens zehn Jahre beträgt.

Weitere Kriterien, die eine IRE ausschließen, beziehen sich in der Regel auf Vorbehandlungen oder Vorerkrankungen.

Vorher

Für die Therapie nehmen wir die Patienten für zwei bis vier Tage stationär auf.

Zu Beginn der Behandlung entnehmen wir zehn bis zwölf Gewebezylinder aus verschiedenen Regionen der Prostata (Punktion) und analysieren sie unter dem Mikroskop. Dieser Eingriff wird über die transrektale Sonographie, das ist ein bildgebendes Verfahren, das mit Schallwellen arbeitet, gesteuert (6).

Wenn sich das untersuchte Gewebe als Krebsgewebe herausgestellt hat, bestimmen wir das Stadium der Erkrankung. Man unterscheidet hierbei zunächst grob zwischen lokal begrenzten Prostatakarzinomen (auf die Prostata begrenzt, ohne Metastasen oder Lymphknotenbefall und ohne Einwachsen in die Umgebung der Prostata) und fortgeschrittenen Prostatakarzinomen (mit Lymphknoten- oder anderen Fernmetastasen, Einwachsen in umgebendes Gewebe oder in Nachbarorgane).

Liegt ein lokal begrenztes Karzinom vor, werden dann anhand der Laborwerte (prostataspezifisches Antigen, PSA) und der Gewebeuntersuchung (Gleason-Score) entschieden, ob eine IRE in Frage kommt.

Während

Die IRE wird in Vollnarkose durchgeführt, weil der eingebrachte elektrische Strom zu störenden Muskelzuckungen führt.

Die Applikation der elektrischen Felder erfolgt durch dünne Nadeln, die durch den Damm ins Tumorareal eingeführt werden (Abbildung 1). Die Nadeln werden über Bildsteuerung unter ständiger visueller Kontrolle platziert. Damit wir hier besonders exakt vorgehen können, erfolgt an unserer Klinik die Bildsteuerung durch Zusammenführen der vor der Behandlung angefertigten MRT-Bilder mit den während der Intervention aufgenommenen Ultraschallbildern (MRT-US-Fusion).

Nach Einführung der Nadeln beginnt die eigentliche Therapie. Die gesamte Intervention dauert ca. eine Stunde.

Die Reste der verstorbenen Tumorzellen werden dann von körpereigenen Zellen des Immunsystems (Makrophagen) gefressen (phagozytiert) und entsorgt.

IRE Prostata

Abbildung 1: Bildgeführte Einführung der IRE-Elektrode durch den Damm mit Hilfe einer speziellen Schablone (Grid). Die gesamte Prozedur erfolgt unter ständiger Bildkontrolle.

Nachher

Nach der Therapie kann der Patient seinen üblichen Alltagsgewohnheiten ohne Einschränkung nachgehen.

Nach sechs bis acht Wochen und anschließend alle sechs Monate empfehlen wir eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata, um das Therapieergebnis zu überprüfen und neue Zellveränderungen in der Prostata (Läsionen) auszuschließen.

Sollte die MRT auswärts erfolgen, so bitten wir um Zusendung der Bilddaten als CD-Rom zur weiteren Beurteilung und Qualitätskontrolle. Zusätzlich zur MRT der Prostata sollte der Ablationserfolg mittels Prostata-spezifischem Antigen (PSA) überprüft werden.

Wichtige Strukturen wie Harnröhre und Nerven werden in der Regel nicht oder nur vorübergehend geschädigt.

Denn die IRE schont nicht-zelluläre Gewebebestandteile. Blut- und Lymphgefäße sowie Harnröhre und Nerven bestehen neben Zellen aus einer komplexen und stabilen Gewebematrix, die eine Regenerierung der Zellen nach der Therapie ermöglicht.

IRE Prostata 2

Abbildung 2: Das Beispiel zeigt ein Prostatakarzinom (Pfeil) rechts in der peripheren Zone der Prostata, das mittels verschiedener MRT-Techniken untersucht wurde (sogenannte multiparametrische MRT). (a) In der T2-Wichtung kommen Prostatakarzinome als „dunkle“ Areale in der sonst „helleren“ peripheren Zone zur Darstellung. (b und c) Diffusionsgewichtete Bilder zeigen eine eingeschränkte Diffusion (Bewegung) der Wasserstoffmoleküle im Tumorareal, was auf die hohe Zelldichte von Tumoren zurückzuführen ist. (d) Die für Tumore typische starke Durchblutung (Hypervaskularisation) ist in kontrastmittelverstärkten Bildern erkennbar, in denen Prostatakarzinome oft aufleuchten.

IRE Prostata 3

Abbildung 3: Darstellung eines Prostatakarzinoms in der T2-gewichteten MRT (links) und korrespondierendes Ultraschallbild (rechts). Der grüne Ring markiert in beiden Techniken den Tumor. Im Ultraschall grenzt sich der Befund ebenfalls dunkel (in der Fachsprache echoarm) ab.

Kontakt


Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)
Charité Campus Virchow-Klinikum (CVK)
Klinik für Radiologie
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

  TV-Bericht

NanoKnife – Mit 1500 Volt gegen Prostatakrebs
> rbb Praxis, 7.9.2016

http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/ Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/ prostata.pdf

Sanchez-Chapado M, Olmedilla G, Cabeza M et al. (2003) Prevalence of prostate cancer and prostatic intraepithelial neoplasia in Caucasian Mediterranean males: an autopsy study. Prostate 54(3): 238–247

Dhom G (1983) Epidemiologic aspects of latent and clinically manifest carcinoma of the prostate. J Cancer Res Clin Oncol 106(3): 210-218

Sakr WA, Haas GP,Cassin BF et al.(1993) The frequency of carcinoma and intraepithelial neoplasia of the prostate in young male patients. J Urol 150(2 Pt 1): 379–385

Sakr WA, Grigon DJ, Crissman JD et al. (1994) High grade prostatic intraepithelial neopla sia (HGPIN) and prostatic adenocarcinoma between the ages of 20–69: an autopsy study of 249 cases. In Vivo 8(3): 439–443

http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/S3-Prostatakarzinom-OL-Langversion.pdf

Onik G, Rubinsky B (2010) Irreversible Electroporation: First Patient Experience Focal Therapy of Prostate Cancer. Series in Biomedical Engineering 2010, pp 235-247

Valerio M, Stricker PD, Ahmed HU, et al. (2014) Initial assessment of safety and clinical feasibility of irreversible electroporation in the focal treatment of prostate cancer. Prostate Cancer Prostatic Dis. 2014 Sep 2. doi: 10.1038

http://de.wikipedia.org/wiki/Prostataspezifisches_Antigen

http://de.wikipedia.org/wiki/Gleason-Score