Die Radiofrequenzablation (RFA)

Die RFA ist eine häufig eingesetzte und wissenschaftlich weit erforschte minimal-invasive Therapie zur lokalen Behandlung von primären (lebereigenen) und sekundären (Metastasen) Lebertumoren.

Zahlreiche Studien konnten in den vergangenen Jahren die Sicherheit und Effizienz dieser Technik wissenschaftlich belegen, so dass die RFA heute als die Therapie der Wahl zur Behandlung von inoperablen Lebertumoren gilt.

Der Wirkmechanismus der RFA nutzt den Umstand, dass man Zellen durch Hitze zerstören kann (Hitzekoagulation). Hierzu wird eine ca. 3 mm starke Nadelelektrode ins Tumorinnere eingebracht. Der Arzt steuert diesen Vorgang entweder über den Monitor eines Ultraschallgeräts, einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) (Abbildung 1).

Üblicherweise reicht bei kleinen Lebertumoren eine einmalige RFA-Behandlung aus. Sollten sich aber im weiteren Verlauf der Erkrankung erneut Lebertumore zeigen, so kann die RFA jederzeit wiederholt werden.

Mehrere internationale Studien konnten zeigen, dass man mit der RFA lokale Tumorkontrollraten erzielen kann, die vergleichbar sind mit denen der chirurgischen Resektion.

Abbildung 1: Eine dünne Nadel (Applikator) wird durch die Haut in den Tumor eingebracht. Über einen angelegten Wechselstrom kommt es an der Nadelspitze zu einer Bewegung der geladenen Teilchen (Ionen), so dass das Gewebe nahe der Nadelspitze bis auf 100°C erhitzt wird. Durch diese Erhitzung kommt es zum Absterben der Zellen.

Mit der RFA wird Tumorgewebe in der Leber durch Hitzeeinwirkung zerstört.

Mit der RFA steht eine Behandlungsoption für Patienten zur Verfügung, wenn eine Operation – z.B. wegen einer vorangegangenen Bauchoperation – nicht in Frage kommt. Allerdings ist diese Option beschränkt auf Tumoren,

  • die nicht größer als 4 – 5 cm sind
    (Größere Tumoren werden an unserer Klinik nicht mittels RFA behandelt, da sich in diesen Fällen andere minimal-invasive Verfahren als geeigneter erwiesen haben, z. B. die Hochdosis-Brachytherapie.)
  • die sich nicht in der Nähe von hitzeempfindlichen (thermosensiblen) Gefäßen, wie z.B. den großen zentralen Gallenwegen oder Darmschlingen, befinden
  • deren Durchblutung im normalen Rahmen liegt.
    (Eine zu starke Durchblutung des Tumors oder angrenzende größere Blutgefäße bewirken einen Wärmeabtransport. Unter diesen Umständen reicht die Temperatur dann nicht mehr, um die Tumorzelle zu zerstören.)

Vorher

Für die RFA ist eine genaue Indikationsstellung und sorgfältige Vorbereitung erforderlich.

Zur Vorbereitung des Eingriffs werten wir die Krankengeschichte sowie die vorhandenen Diagnoseergebnisse aus, wie Schnittbilder einer Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) und, falls vorhanden, PET-CT-Untersuchung (Positronenemissions-Computertomographie). Hierzu bitten wir um Übersendung der ausführlichen Krankengeschichte mit Auflistung der bereits durchgeführten Therapien und des Krankheitsverlaufes sowie möglichst aktueller Diagnosebilder.

Anhand der eingesandten Unterlagen können wir überprüfen, ob die wichtigsten Voraussetzungen für eine RFA erfüllt werden. Falls dies der Fall ist, werden die Patienten zur weiteren Besprechung und Vorbereitung in unsere Ambulanz für minimal-invasive Tumortherapie eingeladen. Sie können hierzu einen Termin unter der Telefonnummer 030 / 450 557 309 vereinbaren.

Während

Für die Therapie bleiben die Patienten für ca. drei bis vier Tage auf unserer Station.

Der Eingriff wird in der Regel sehr gut unter lokaler Betäubung und einem starken Schmerzmittel vertragen, so dass in den meisten Fällen auf eine Vollnarkose verzichtet werden kann.

Die Nadelelektrode wird durch die Haut (perkutan) im Tumor positioniert. Die aktivierte Nadelelektrode bewirkt eine Gewebeerhitzung des Tumorareals auf bis ca. 100°C. Die Tumorzellen sterben ab (Koagulationsnekrose) und werden entfernt (Ablation). Das dauert ungefähr 15 bis 30 Minuten. Danach wird die Nadelelektrode wieder aus dem Körper herausgezogen und der Stichkanal verödet.

Nachher

Nach dem Eingriff bestehen keine Einschränkungen für die üblichen Alltagsgewohnheiten. Nach sechs bis acht Wochen und anschließend alle drei Monate empfehlen wir eine ambulante Magnetresonanztomographie (MRT) der Leber – möglichst mit Leberzell-spezifischem Kontrastmittel, um den Ablationserfolg zu überprüfen und neue Lebertumore auszuschließen.

Diese MRT kann der Patient ambulant in unserer Klinik oder auch auswärts anfertigen lassen. Sollte die MRT-Untersuchung auswärts erfolgen, so bitten wir um eine Zusendung der Bilddaten als CD-Rom zur Qualitätskontrolle.

Die RFA ist dank der bildgesteuerten Einführung der RFA-Sonden in den Tumor ohne größere Hautschnitte sehr gut verträglich und komplikationsarm.

Komplikationen entstehen möglicherweise an der Hautöffnung, durch die die RFA-Sonde positioniert wird. Verletzungen von umliegenden Organen oder Blutungen können mit Hilfe der Punktion unter computertomographischer Sicht in der Regel vermieden werden.

Weitere, sehr seltene Komplikationen sind thermische Schäden an umliegenden Organen, z.B. Haut, Niere, Darm, Magen oder Lunge.

Abbildung 2: Das Beispiel zeigt die Durchführung der RFA zur Behandlung eines kleinen Leberzellkarzinoms bei einem Patienten mit ausgeprägter Leberzirrhose.

  1. Die vor der Behandlung erfolgte kontrastmittelverstärkte CT zeigt einen hellen Tumorherd (Pfeil) unterhalb der Leberkapsel (subkapsulär).
  2. Zur Behandlung wird die RFA-Sonde unter CT-fluoroskopischer Sicht in den Tumor vorgeschoben. Sobald die Sonde korrekt platziert ist, erfolgt die Ablation des Herdes.
  3. Die nach der RFA durchgeführte CT mit Kontrastmittel zeigt eine erfolgreiche Ablation des Herdes (Pfeil), der jetzt kein Kontrastmittel mehr aufnimmt und dunkler erscheint als vor der Behandlung.

Kontakt


Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)
Charité Campus Virchow-Klinikum (CVK)
Klinik für Radiologie
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

S3-Leitlinie Hepatozellulläres Karzinom. http://www.krebsgesellschaft.de/download/s3-hcc-ol-langversion_v1.0_2013.pdf

Forner A, Llovet JM, Bruix J. Hepatocellular carcinoma. Lancet. 2012;379(9822):1245-55

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