Thermoablation des gutartigen Knochentumors im Kindesalter (Osteoidosteoms / OO)

Das Osteoidosteom ist ein primärer Knochentumor, seine Symptomatik ist charakteristisch: nächtliche Schmerzen, die typischerweise durch Einnahme von nicht-steroidalen Antiphlogistika wie beispielsweise Aspirin schnell gelindert werden können. Meist befinden sich die Tumoren an den langen Röhrenknochen der Beine, weniger häufig an denen der Arme sowie an der Wirbelsäule.

Osteoidosteome sind gutartig, das heißt, sie zeigen keine Neigung, Tochtergeschwülste oder Metastasen auszubilden. Aber die Schmerzen sind für die zumeist jungen Patienten sehr belastend und können zu Fehlstellungen und Fehlbelastungen mit Gelenkverschleiß führen.

In der Vergangenheit mussten sich diese Patienten oft einem aufwändigen chirurgischen Eingriff unterziehen. Seit ca. 15 Jahren besteht die Möglichkeit, diesen Tumor durch Hitze zu entfernen. Diese Methode, die „Thermoablation“, gilt derzeit als Standardtherapie des Osteoidosteoms.
(Der Begriff „Ablation“ bedeutet eigentlich eine Abtragung oder Ablösung von Gewebe, wird jedoch auch bei der (Tumor-) Zellinaktivierung durch radiogene, thermische, elektrische, biomechanische oder chemische Einwirkungen angewandt.)

Mit diesem Verfahren werden die Zellen des Osteoidosteoms durch Erhitzung auf ca. 60°C bis 90°C zerstört, insbesondere auch die Prostaglandin (Schmerzstoff) produzierenden Zellen im Zentrum (Nidus) des Osteoidosteoms und die Schmerzleitungsbahnen. Damit soll eine komplette Inaktivierung aller Zellen im Ablationsareal erreicht werden (es entsteht eine Narbe).

Die Hitze kann minimal-invasiv entweder durch Radiofrequenz (RFA) oder Laser (LA) in das krankhafte Gewebe eingebracht werden. Von allen thermischen Ablationsverfahren ist die RFA das am meisten verbreitete und das am besten wissenschaftlich untersuchte Verfahren.

Ziel der Thermoablation des Osteoidosteoms ist die Schmerzfreiheit des Patienten sowie die Verhinderung von Schonhaltungen, die im Laufe des Wachstums zu Fehlbildungen führen können.

Wir empfehlen allen Patienten, die wegen eines Osteoidosteoms unter dauerhaft wiederkehrenden Schmerzen leiden (die typischerweise nach Gabe von Acetylsalicylsäure [ASS] verschwinden), eine Thermoablation – insbesondere aber jungen Menschen im Wachstumsalter.

Vorher

In der Regel erfolgt die Diagnosestellung anhand eines konventionellen Röntgenbildes, da es besonders gut über die Lage und die Art des Knochentumors Auskunft gibt.

Sollten darüber hinaus noch Unklarheiten bestehen, kann eine weitere Abklärung mittels Magnetresonanztomograhie (MRT) oder Computertomographie (CT) erfolgen.

Während

Die Behandlung erfolgt im Rahmen eines stationären Aufenthaltes auf unserer Therapiestation 6.

Die Behandlung erfolgt unter Vollnarkose, da das Anbohren und Erhitzen des Osteoidosteoms für den Patienten sehr schmerzhaft sein kann.

Zur Radiofrequenzablation wird eine spezielle Sonde in das zu behandelnde Gewebe eingebracht. Dies erfolgt meist unter computertomographischer (CT) Kontrolle, um eine präzise Lokalisation der Sonde im Tumor zu gewährleisten. Über ein Wechselstromfeld an der Sondenspitze entsteht eine Erhitzung des Gewebes auf die Zieltemperatur.

Bei der Laserablation wird Laserenergie über einen Lichtwellenleiter in den zentralen Nidus (Wachstumskern) des Osteoidosteoms gebracht. Durch Aufnahme der Photonen („Lichtteilchen“) im Tumorgewebe kommt es zu einer Erhitzung und somit zur thermischen Ablation.

Abbildung 1: Technik der Radiofrequenzablation (RFA). Durch Anlegen eines Wechselstroms kommt es bei der RFA zu Ionenbewegungen an der RF-Applikatorspitze mit Erwärmung des umliegenden Gewebes durch Friktion, hier im Beispiel im Bereich des rechten Oberschenkelknochens.

Nachher

Eine Schmerzfreiheit der Behandlungsregion tritt bei erfolgreicher Ablation bereits rasch in den ersten Tagen ein. Außer bei sehr speziellen Lokalisationen – die wir mit Ihnen besprechen würden – kann meist die Region auch uneingeschränkt belastet werden. Meist gibt es nur etwas subjektiv einschränkenden Wundschmerz, wobei die Zugangswunde durch das kleine verwendete Material in der Regel sehr klein ist.

Eine dauerhafte Schmerzfreiheit beziehungsweise Heilung kann bei 90 Prozent der Patienten nach der ersten Ablation erreicht werden, bei den übrigen zehn Prozent bestehen Restschmerzen oder die Schmerzen treten erneut auf, so dass die thermische Ablation wiederholt werden muss.

(Der Erfolg (= Schmerzfreiheit) der thermischen Ablation ist bei dem Laser- und Radiofrequenz-Verfahren etwa gleich.)

Mögliche, jedoch seltene Komplikationen der Thermoablation sind Blutungen und Blutergüsse, Infektionen und Abszesse sowie thermische Schäden der Haut und der Nerven.

Ein 7jähriger Junge mit stärksten nächtlichen Schmerzen des rechten Schienbeins. Beim zuerst durchgeführten konventionellen Röntgen ist eine deutliche Auftreibung der äußersten Knochenschicht des Schienbeins (Tibiakortikalis) im mittleren Drittel erkennbar, ein typischer strahlentransparenter Tumorkern (Nidus) innerhalb dieser Auftreibung ist angedeutet erkennbar (Abbildung 2). Die anschließend durchgeführte Computertomographie (CT) bestätigte den Verdacht auf ein Osteoidosteom mit typischem Nidus (Abbildung 3A).

Uns wurde der Patient zur Thermoablation des symptomatischen, d.h. schmerzhaften Osteoidosteoms vorgestellt. In Vollnarkose wurde der Tumorkern (Nidus) mit einem Knochenbohrer angebohrt. Anschließend wurde eine Thermoablations-Sonde in den Nidus eingebracht (Abbildung 3B und 3C). Diese Thermoablation dauerte ca. zehn Minuten. Das MRT-Bild direkt nach dem Eingriff zeigt das Ablationsareal ohne verbliebenen Resttumor (Abbildung 3D).

Im vorgestellten Fall konnte eine erfolgreiche Therapie des Osteoidosteoms durch eine vollständige und dauerhafte Schmerzfreiheit erreicht werden.

Abbildung 2: Röntgenbild eines Osteoidosteoms im rechten Schienbein mit längerstreckiger Verdickung der sog. Corticalis (Pfeile) und nur angedeutetem strahlentransparenten Nidus in Mitten der Corticalisverdickung.

Abbildung 3: A Computertomographie (CT) des rechten Unterschenkels im Querschnitt mit Darstellung des Osteoidosteoms, bestehend aus einem Tumorkern (Pfeil) und umgebendem reaktiven Knochenanbau. B, C Anbohren (Pfeil in B, Bohrer; Pfeil in C, Bohrkanal) und Einbringung eines Thermoablations-Katheters. D Das dunkle Areal (Markierung) im MRT-Bild zeigt eine vollständige Tumorablation.

Kontakt


Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)
Charité Campus Virchow-Klinikum (CVK)
Klinik für Radiologie
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

Gebauer B, Collettini F, Bruger C, Schaser KD, Melcher I, Tunn PU, Streitparth F. Radiofrequency ablation of osteoid osteomas: analgesia and patient satisfaction in long-term follow-up. Rofo. 2013 Oct;185(10):959-66.